Tag 2 – Awesome

Awesome!

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Sagt man gern hier. Überhaupt scheint der ganze Gigantismus den Leuten etwas auf die Sprache geschlagen zu sein.

Man spricht laut und überschwengelnd, man sieht viele brüllende Leute, aber das sind nicht nur Behelmte und Beschutzwestete sondern auch ganz normale Leute (beautiful housewifes (für den Steely-Dan-Fan) und ganz normale Exemplare, die sich bei organic food den letzten Tratsch um die Ohren schreien. Naja, auf jeden Fall versteht man sich.

Aber alles ist nett und freundlich, die Leute sind bestimmt und irgendwie kommt es einem vor, dass das Teil der New Yorker Kultur ist – man brüllt eben gern und es ist auch ganz normal…

Überhaupt sind die (wahrscheinlich deshalb, weil es einfach so voll ist hier und man sich immer irgendwo durchdrängeln muss…) manchmal etwas rüde, aber es ist eben auch in Ordnung so.

Und nach einem Tag weiß man, dass wenn sich eine zierliche Dame resolut mit einem „Excuse Me“ hinter einem den Weg bahnt, Sie dann eigentlich meint „Mach Dich vom Acker, Idiot“.

Aber eben freundlich und bestimmt. Yes, my brother, you like that…

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Tag 2 ging los mit dem Fahrradstand an der Bedford Ave, den wir auch in Williamsburg gefunden hatten. Wetter war übrigens nicht schlecht wie angesagt sondern wieder wunderbar mit ein paar Wolken. Dann Geradel zur Brooklyn Bridge und wieder rüber nach Manhatten.

Diese Brücke ist der Hammer. Unglaublicher Blick auf die Wolkenkratzer der Südspitze mit Woolworth und One-World Trade Center und allen anderen und wenn man die Seite wechselte dann nach Norden zum Time Square und Empire State.

Die Fußgänger- und Fahrradspur auf der Brücke ist total überfüllt, und da haben wir’s deshalb erstmal mit unserem Bike ausprobiert und die blöden Fußgänger weggescheucht und weil uns das noch nicht reichte haben wir die Fahrräder auf der anderen Seite abgestellt, sind zu Fuß wieder zurück und haben dann die Fahrradfahrer angebrüllt. Man muss sich eben anpassen.

Bine hat wieder Photos ohne Ende gemacht, aber wir sehen auf allen ein bisschen doof aus, so dass wir wohl noch mal in den nächsten Tagen auf die Brücke müssen.

Nach einem lustigen Geplänkel um’s Mittagessen haben wir irgendwo in der Nähe der Wall Street ein bisschen was mit Huhn gegessen und sind dann zum Ground Zero Memorial. Beeindruckend, absolut erschreckend (immer noch) und nach wie vor unvorstellbar, wie dieser Angriff diese ehemals höchsten Türme und fast 3000 Leute darin umgebracht hat.

Es war auch ein ganz gutes Maß an Selbstkritik im Memorial dabei (wir müssen verhindern,. dass wir uns nun zu sehr abschotten), aber es wäre wohl zuviel verlangt gewesen, wenn man hier erwartet hätte zu lesen, dass Al Kaida und die Taliban irgendwie auch erst durch die amerikanische Politik zu dem geworden sind, was letztendlich zu diesem Desaster geführt hat. Und was in seiner Reaktion den Irak und Afghanistan so destabilisiert hat, dass Millionen auf der Flucht sind… But that’s a different story. Aber Ground Zero ist unglaublich beeindruckend…

Abends war dann mein ganz spezielles Highlight – Steely Dan im Beacon Theatre. Bine war leider wieder ein bisschen die Kulturschlafende denn wir hatten ja schon einen langen Tag hinter uns. Aber am Ende tanzten die ca. 1.000 Leute der siebten von acht Shows derartig ausgelassen, dass keiner mehr auf seinem Sitz blieb. Auch Bine nicht, es war awesome.

Das Konzert war großartig – ich kenne sie ja in und auswendig und habe schon viele Konzertmitschnitte gesehen, aber das war wirklich ein Heimspiel hier.

Die Leute sind auch ganz anders drauf als in Deutschland – es war immer wer Bier holen in diesem ehrwürdigen Theater (also immer großes Rumgewusel) und – es war allen vollkommen egal wenn sich wieder mal jemand durch die Reihen zwängte oder mittendrin aufstand um alleine rumzutanzen.

Um 23:30 sind wir dann nach dem Konzert noch zum Empire State Building geradelt (also im Verkehr ist das schon auch immer ein bisschen anspruchsvoller…) und dann direkt in den 86 Stock. Wäre wahrscheinlich tagsüber beeindruckender gewesen, aber es war natürlich auch toll, überall nur die Lichter dieser Stadt zu sehen. Und außerdem musste man nicht warten…

Dann wieder U-Bahn und um 1:30 ins Bett…Bine und Tim kaputt und ihre Füße auch – aber glücklich…